Deutsch (Deutschland)English (United Kingdom)
Radha-Govinda-Manir Project

News

Next Ekadasi: August 6, 2010
Erkenntnis des Göttlichen – Teil 3

Srila BR Sridhara Gosvami

 Frage: Es wird gesagt, caksu-dāna dila jei, janme janme prabhu sei, wer mir transzendentale Sicht gibt, er ist mein Meister, Leben für Leben. Ist die Verbindung mit dem spirituellen Meister also wirklich ewig, Leben für Leben?

 

Srila BR Sridhara Gosvami: Natürlich. Aber wir dürfen ihn auf keinen Fall für die Erscheinung halten, die wir mit unseren physischen Sinnen wahrnehmen. Die innere Identifizierung ist notwendig, und diese Sichtweise wird entsprechend unseres inneren Fortschrittes klarer werden. Unsere Sicht wird klarer werden und sich von prākrta zu aprākrta wandeln, von materiell zu transzendental. So wie sich unsere Sicht ändert, so wird sich auch die Art und Weise wie wir Gurudev sehen dementsprechend verändern. Ein Mensch wird im Allgemeinen zuerst nach seiner äußeren Kleidung beurteilt, dann nach seinem Körper, dann nach seinem Geist und dann nach seiner Intelligenz. So wie unserer Auge die Fähigkeit entwickelt, die Dinge richtig zu sehen, so sehr wird sich die Erscheinung von dem, was wir sehen, verändern.
Ācāryam mām vijāniīyāt – der Herr sagt, „Letztendlich bin ich der Ācārya. Es ist meine Funktion in verschiedenen Stufen und Formen.“ Trotzdem mögen verschiedene Ācāryas zur gleichen Zeit zusammenarbeiten. Sie haben ihre gemeinsame Grundlage in ihren Sri Gurudev, aber wie so viele Äste eines Baumes, unterscheiden sie sich auf vielerlei Weise. Dennoch, das Ideal ist ācāryam mām vijāniīyāt. Das Ideal reicht von grob bis fein. Gemäß der Tiefe der Sicht des Auges des Betrachters gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Eine unterschiedlich tiefe Sicht wird unterschiedliche Ebenen der Realität des Ācāryas offenbaren und wird in einem allmählichen Fortschritt der Verwirklichung durch unterschiedliche rasas (transzendentale Beziehungen) zur höchsten Position führen. Sonst wird es martya-buddhi sein, eine materielle Auffassung der Göttlichkeit, und das ist ein Vergehen, ein Irrtum.
Wir müssen uns selbst aus der Falle befreien, die Realität mit der physischen Erscheinung gleichzusetzen, die unseren Sinnen präsentiert wird. Das Auge ist ein Betrüger, es kann nicht die wirkliche Form sehen. Und auch das Ohr betrügt uns. Die Form des Ācāryas ist nicht indriya-grahyā, mit unseren Sinnen erfaßbar, sie ist indriyātīta, jenseits von Sinneswahrnehmung. Weil wir in einer solch niedrigen Stellung sind, müssen wir uns mit Hilfe der Gestalt, die wir vor uns sehen, stufenweise der inneren Welt nähern. Aber es ist so wichtig, tiefer zu schauen. Der Ācārya trägt manchmal Winterkleidung, manchmal Sommerkleidung, aber wir sollten ihn nicht mit der Kleidung gleichsetzen, obwohl sie natürlich mit dem Körper verbunden ist. In ähnlicher Weise mag der Ācārya sich in einem jungen Körper offenbaren, aber später in seinem Leben zeigt er einen alten Körper. In einem Leben mag er in einem bestimmten Körper kommen, und ein anderes Mal in einem anderen Körper. Der selbe Ācārya mag unterschliedlich zu verschiedenen Zeiten kommen. Vom Äußeren sollten wir zum Inneren gelangen. Das trifft auch auf uns selbst zu. Wenn wir diesen Körper aus Fleisch und Blut verlieren und stattdessen nur noch einen feinstofflichen Körper haben, können wir den Guru in der Form seines feinstofflichen Körpers sehen, nicht in der Form von dieser physischen Art von Körper. Die Devatas, Gandharvas und Siddhas haben auch ihre Gurus, aber weder sie noch ihre Ācāryas besitzen einen groben Körper. So müssen wir die äußere Auffassung fallen lassen und zur inneren Auffassung vordringen. Das wird für einen fortschreitenden Schüler von immenser Wichtigkeit sein. Das bedeutet nicht, daß er die physische Form Gurudevas ignoriert, sondern daß er die wirkliche Bedeutung und die wirkliche Gegenwart im Inneren wahrnimmt.
Wir sollten die Gebrauchsgegenstände des Ācāryas verehren – seinen Mantel, seine Schuhe etc. – aber das bedeutet nicht, daß solche Dinge höher sind als sein eigener Körper. Wenn wir begierig sind, ihm einen physischen Dienst darzubringen, er das aber nicht will, dann sollten wir es nicht tun. Wenn ich seine Füße massieren möchte, aber er „Nein, nein! Ich möchte das nicht!“, sagt, dann sollten wir davon absehen. Sein innerer Wunsch wird höher sein. Auf diese Weise müssen wir vom Groben zum Feinen fortschreiten, aber das bedeutet nicht, daß wir alle äußeren Dinge verabscheuen sollten. Wir sollten sie respektieren, aber mehr Wert sollte auf das Innere, der höheren, tieferen Repräsentation, gelegt werden. „Eho bāhya, āge kaha āra. Das ist oberflächlich, gehe tiefer.“ Gemäß der Tiefe unserer Sicht werden wir voranschreiten.

 

Frage: Im Falle von Bilvamangal Thakura sprach sein Gurudeva zu ihm durch die Prostituierte Cintamani, und Bilvamangal erkannte dort seinen Guru.
Srila BR Sridhrara Gosvami: Aber das bedeutet nicht, daß er zu Cintamani zurückging. Er akzeptierte Cintamani als seinen ersten Guru. Aufgrund ihrer Anweisung ging er zu Somagiri, und von dort ging er nach Vrindavan, indem er seinen früheren Führer beiseite ließ. Er erkannte, daß Cintamani sein Ausgangspunkt war, aber er gab nicht so viel Respekt, daß er blieb und ihr diente. Eho bāhya, āge kaha āra. Fortschritt bedeutet etwas aufzugeben. Fortschritt setzt eine gewisse Art von Aufgeben voraus, eine Änderung in der Auffassung, sonst ist er stockend und statisch.