| Die Herkunft des Heiligen Namens |
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Srila BR Sridhara Gosvami Srila BR Sridhara Maharaja saß am Dach seiner Unterkunft in Navadvipa, West Bengalen. Der nun schon sehr alte sadhu war in einer nachdenklichen Stimmung, und sich ihm in diesem Zustand anzunäheren hat mich ein wenig beunruhigt. Er deutete mir an, daß ich mich vor ihn hinsetzen sollte. Schüchtern setzte ich mich auf eine Grasmatte zu seinen Füßen. Im Umkreis von Meilen war niemand sonst zu sehen. „Von hier oben kann man viele Dinge sehen, durch die wir uns an Sri Chaitanya erinnern können,“ sagte Maharaj. „Wir haben diese Ganga, diesen Wald, die Tempel, Seinen Lieblingsbaum, Banane. Warum bist du hier hergekommen? Was möchtest du fragen?“ „Kannst du erklären, wie, wenn der Name eine spirituelle Sache ist, wie kommt es, daß wir ihn alle mit einer materiellen Zunge chanten?“, fragte ich und kam mir ziemlich töricht vor. Nach kurzem Schweigen begann er zu sprechen, „Nitai Chaitanya, Nitai Chaitanya,“ und dann fuhr er fort: „Er kann nicht von einer materiellen Zunge ausgesprochen werden, noch kann ein materielles Ohr den Namen hören. Er ist adhokshaja (jenseits von sinnlicher oder mentaler Wahrnehmung) und behält Sich das Recht vor, nicht von den körperlichen Sinnen entdeckt zu werden. All die Erfahrung, Wissen und Erinnerung, die wir haben, wurden mit Hilfe von weltlicher Sinneswahrnehmung angesammelt. Unsere Zunge besteht hauptsächlich aus den Elementen Erde und Wasser. Die Nerven, die sich über alle Teile des Körpers erstrecken, tragen Ladungen von Elektrizität, ebenfalls ein materielles Element. Wenn ein Objekt zu weit entfernt ist, ist es nicht möglich es zu ertasten, zu sehen oder zu schmecken, usw. Wenn es zu nahe ist, ist es ebenfalls nicht wahrnehmbar. Wir können nicht unseren eigenen Tilak sehen oder sogar unsere eigenen Augenlider. Wenn die Sinne durch Mikroskope und Teleskope erweitert werden, haben sie eine größere Reichweite, aber trotzdem sind sie auf die materielle Sphäre beschränkt. Das Teleskop kann die äußerste Hülle des Universums nicht durchdringen. Die Linse des Mikroskops besteht aus Atomen und kann deshalb kein Atom oder irgendetwas, das noch kleiner ist, erkennen. In gleicher Weise ist das System der mentalen Spekulation ebenfalls ungeeignet, das spirituelle Element wahrzunehmen. Geist ist ein materielles Element mit sehr geringer Dichte. Höhere Abstraktionen sind ebenso wenig spirituell wie ein harter Stein. Es gibt die allgemeine Annahme, man könne durch Expansion des Geistes den Unendlichen erfassen, aber dieser Vorgang ist unvollkommen. Wenn der Unendliche in einen endlichen Geist eingeschlossen werden kann, dann ist Er nicht unendlich. Ich weiß nicht einmal, wieviele Haare sich auf meinem Kopf befinden. Mentale Spekulanten zermalmen sich ihre Gehirne über abstrakte Aphorismen des Zen und der Upanishaden und glauben, daß sie kraft ihrer eigenen Macht so etwas wie Unendlichkeit erlangen können. Das Ergebnis ist mentale Selbstbefriedigung. Der Geist explodiert und stirbt an Erschöpfung. Und das Ergebnis ist beklagenswert: vollkommenes Vergessen des Selbstes und des Unendlichen. Es gibt Kanäle, mittels welcher der Unendliche herabsteigt. Er ist alle Macht, Ruhm, Schönheit, Wissen, Reichtum und Entsagung. Er ist bestimmend, allgegenwärtig, frei und unumschränkt. Der Unendliche kann nicht in einer begrenzten Sphäre enthalten sein, wie ich gerade gesagt habe, aber, wenn Er wirklich unendlich ist, dann besitzt Er die Macht, Sich Selbst in all Seiner Vollkommenheit dem begrenzten Geist zu offenbaren. Wenn Er, aus Seinem eigenen Willen heraus, die Initiative ergreift und Sich dem Gottesverehrer offenbart, dann ist das tatsächliche Wahrnehmung Gottes, Selbstverwirklichung, transzendentale Offenbarung. Er kommt durch den Kanal des transzendentalen Klanges, durch die Schwingung der spirituellen Zunge der reinen Geweihten, die Ihn repräsentieren, in diese Welt. Das spirituelle Element versetzt die spirituellen Zungen der Zuhörer des vollkommenen Gottesverehrers, die bis dahin noch nie vibriert haben, in Schwingung. Der reine Gottesverehrer spricht den Namen Gottes. Unser materielles Ohr hört einen Klang, der dem transzendentalen Namen Krishnas ähnelt. Unser Trommelfell bewegt die Flüssigkeit des inneren Ohres, halb Wasser halb Luft, welche dann das ätherische Element in Schwingung versetzt und den Geist berührt. Bis zu diesem Punkt ist die Seele immer noch unberührt, und es hat noch keine echte spirituelle Erfahrung stattgefunden. Durch die Eindrücke des Geistes genießen wir den Klang der Zimbeln, den Rhythmus des Gesanges, die erfreuliche Gemeinschaft und die Wirkung des Zuhörens. Aber es hört hier nicht auf. Nachdem er den Geist durchdrungen hat, bewegt der ursprüngliche Klang, gesprochen von unserem spirituellen Meister, unseren Intellekt, und wir denken über philosophische und metaphysische Wahrheiten nach. Für Millionen von Jahren haben Weise das an den Ufern vieler heiliger Flüsse gechantet. Vorstellungen über die möglichen Auswirkungen des Mantras überfluten alles. Dieser sehr glückselige Zustand ist genaugenommen noch keine spirituelle Offenbarung. Jenseits der Intelligenz liegt das spirituelle Element, die Seele, ich. Dieser Klang, der alle meine Sinne einschließlich Geist und Intellekt durchdrungen hat, versetzt nun die feinsten Gefühle meiner wahren Existenz in Schwingung. Das ist die Wahrnehmung des Heiligen Namens auf der spirituellen Ebene mit dem spirituellen Ohr. Die angeregte Seele rekapituliert und sendet die Schwingung zurück in die Intelligenz, den Geist usw. – der ganze Vorgang umgekehrt – bis zu meiner äußeren Zunge und wir sagen ,Hare Krishna.‘ Dieses ,Hare Krishna‘ ist Er. Und wir tanzen in Ekstase.“ |
Juli 2010
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