Lecture of the day

Om Vishnupad Sri Srimad BV Puri Gosvami

Noch nie hat man von jemandem gehört, der Tiger umarmt. Gibt es irgendeine Aufzeichnung von einem Menschen, der all die wilden Tiere dieser Welt beherrschen kann? Mahāprabhu kann es. Er umarmt und tät­schelt sie. Er führt sie alle zusammen und sie folgen ihm. Er bespritzt die Elefanten mit Wasser und sie tanzen. Ihr könnt es euch nicht vorstellen. Niemand kann sich das vorstellen! Die jñānīs können es sich nicht vorstellen, von gewöhnlichen Leuten ganz zu schweigen. In der Philosophie des Westens gibt es keine Aufzeichnungen darüber, was Mahāprabhu tat. In der Tat, diese Tiere umrundeten Mahāprabhu, und sobald Er „Krishna!“ sagte, wiederholten sie alle „Krishna!“ Das war kein Zirkus mit gezähmten Tieren, Er trainierte sie nicht, Er gab ihnen einfach den heilgen Namen. Diese Kraft, diese Macht, diese Energie drang ein in ihre Herzen und sie verstanden das, denn sie sind ātmā.

Dieser Klang bezieht sich auf den ātmā. Die ātmā-jñānīs können das nicht, sie können diese Tiere nicht bekehren. Sie haben keine Macht. Sie können ein wenig Freude in sich erfahren, aber hier wurde dieselbe Freude an wilde Tiere und Vögel verteilt. Nicht an Menschen, sondern an Tiere und Vögel. Caitanya Mahāprabhu hat das mittels śabda-brahma vollbracht. Hare Krishna ist śabda-brahma. Mahāprabhu hat sie vereint und alle mobilisiert. Kann irgendein jñānī zu irgendeiner Zeit so etwas vollbringen? Ein jñānī kann sich in ein wenig jñānam üben zu seinem eigenen Nutzen. Mahāprabhu hat hier aber nicht dieses Prinzip angewandt, Er hat einfach nāma-kīrtana ausgeführt.

 

Rāga-bhakti und Nāma

Führe nāma-kīrtana aus und dadurch wirst du die Vollkommenheit erlangen. Und nachdem du diese Vollkommenheit erlangt hast, wirst du wissen, ob du nach Goloka oder Vaikuntha gehörst oder zu dāsya, sakhya, vātsalya oder śringāra-bhakti. Erst dann wirst du es wissen. Das kann man nicht einfach durch Üben erreichen. Das sind keine Themen, die man in Fünfjahreskursen abhandeln kann. Das ist keine Trainingseinheit. Rāga-bhakti ist nicht einfach ein Ausbildungskurs. Es hängt einzig und allein von den Segnungen von Guru, den Vaishnavas und des Herrn ab. Unser Fortschritt hängt ab vom Segen der sādhus, der mahātmas, des Gurus und Bhagavāns. Ohne deren Segen können wir nicht vorwärts kommen. Da gibt es kein Weiterkommen.  Wenn du ein khichiri machst – Reis, Dal und Gemüse zusammenmischst, kannst du nicht glücklich sein, du kannst es nicht kosten. Du wirst nicht ruci erlangen. Du must Schritt für Schritt vorangehen. Nach ruci kommt āsakti und danach bhāva. Aber von bhāva kann bei uns keine Rede sein. Wir sprechen von rasa, aber wir haben die Stufe von bhāva nicht erreicht. Rasa ist etwas anderes. Viele sagen, bhakti sei bhāva.
Wir schätzen rasa nicht, denn rasa bedeutet vikāram (Veränderung). Die nirviśesha-vadis behaupten, bhakti-rasa sei nirvikāra (unveränderbar). Das ist aber nicht das richtige Konzept. Deren Vorstellung ist, es gäbe nur nirvikāram (Unveränderlichkeit), nirviśesham (Ununterscheidbarkeit), nirākāram (Formlosigkeit) und nichts sonst. Aber sie können das nicht verstehen. Dass Mahāprabhu tanzt, dass Sein Körper zittert, das sich Seine Farbe ändert, dass Seine Stimme stockt, dass Seine Haare zu Berge stehen – all diese Symptome werden als nirvikāram angesehen. Sie behaupten, ein jñānī benötige solche Dinge nicht. Wie können sie das wissen? Das erste, das man beachten muss, ist dem Vorgang, den uns Rūpa Gosvāmī gegeben hat, zu folgen.

ādau śraddha tatah sādhu-sango ’tha bhajana-kriyā

tato ’nartha-nivrittih syāt tato nishthā rucis tatah

athāsaktis tato bhāvas tatah premābhyudañcati

sādhakānām ayam premnah prādurbhāve bhavet kramah

— BRS 1.4.15–16

Du musst darauf warten. Wenn du dich von den Eisenbahnschienen entfernst, wie weit wirst du dann kommen, selbst wenn du läufst? Die Bahn fährt auf diesen Schienen. Der Pfad wurde bereits vorgegeben und du musst dich einfach danach richten. Dieser Zug, sofern er auf den richtigen Schienen bleibt, kann jede Last ziehen und er wird dich ans richtige Ziel bringen.
Es gibt ein paar faule Gesellen, die keine Zeit haben, bhajana oder sādhanā auszuführen, aber sie nehmen gerne an öden Diskussionen teil.

bhidyate hridaya-granthiś chidyante sarva-samśayāh
kshīyante cāsya karmānī drishta evātmanīśvare

— SB 1.2.21

Der bhakta ist immer mit seinem Dienst beschäftigt, er hat keine Zeit für solche nutzlosen Gespräche. Einmal kam Vallabhācarya zu Mahāprabhu und erzählte Ihm: „Ich habe einen Kommentar zum Heiligen Namen geschrieben. Mein Kommentar ist sehr erleuchtend, er ist besser als der von Śrīdhara.“ Mahāprabhu wich freundlich aus: „Herr, ich habe keine Zeit, ich muss erst meine Anzahl heiliger Namen zu Ende chanten, Ich kann mir deinen Kommentar also nicht anhören.“ Behutsam wich Er ihm aus. Er sagte: „Ich weiß, dass Krishna Nanda-nandana ist. Es mag hunderte oder tausende von Kommentaren über Ihn geben, Ich weiß nur, dass Krishna Nanda-nandana, der Sohn von Nanda Mahārāja ist. Nur faule Leute wollen diskutieren.“
Alle bhaktas hatten Angst, von Vallabhācarya zu hören, weil Mahāprabhu ihm ausgewichen ist. Nun, da Mahāprabhu seine Schlussfolgerung gezogen und ein Urteil abgegeben hatte, wer sind dann diese Schurken, dass sie daherkommen und behaupten: „Nein, nein! Er ist ein Gelehrter, er hat dieses und jenes vollbracht.“
Diese bequemen Typen haben immer Lust, über rāga-bhakti zu diskutieren. Sie führen niemals sādhanā aus. Die Zeit, die sie mit Argumenten vergeuden, ist das etwa sādhanā? Das hat mit sādhanā überhaupt nichts zu tun. Um sādhanā-bhakti zu entwickeln, muss man nur zuhören, nicht diskutieren. Diskussion bedeutet, man muss etwas akzeptieren und etwas anderes zurückweisen. Welchen Teil müssen wir akzeptieren? Welchen Teil müssen wir ablehnen? Was folgt daraus? Bhidyate hridaya-granthiś, chidyante sarva-samśayāh. Wenn kein ahankāra da ist, dann ist man frei von dieser Art von Diskussionen. Rāgam und dvesham, annehmen und ablehnen. Zu ein paar Dingen verspüren wir eine Anziehung, für andere empfinden wir Abneigung. Alle haben wir das in uns, aber wir sollten darüber hinweg kommen. Dann werden sich unsere Zweifel lichten. Wir sollten in Berührung mit Bhagavān, Krishna, kommen. Wir müssen mit Krishna in Kontakt kommen.

Glossar:

ātmā: die spirituelle Seele, das Lebewesen; śabda-brahma: transzendentaler Klang; nirviśesha-vadi: ein Anhänger der monistischen Philsophie, die behauptet, dass die Absolute Wahrheit eigenschaftslos sei;  sādhanā: spirituelle Praxis der Sinne um das Ziel (sādhya) zu erreichen; ahankāra: falsches Ego, wörtlich ‚ich bin der Handelnde‘

 

Regelmäßige Tempelprogramme

Sonntagsfest

 

17.00: Sankirtan
18.00: Vortrag
19.00: Sandhya Arati
19.15: Tulasi Parikrama
19.30: Prasadam

Morgenprogramm (täglich)

 

5.00: Mangala Arati
5.15: Tulasi Parikrama
5.30: Sankirtan anschl. Japa
7.45: Sringara Arati, anschl. Sankirtan
8.25: Lesung aus dem Srimad Bhagavatam
9.15: Guru Puja, anschl. Bhoga Arati
9.30: Prasadam

Abendprogramm (täglich außer Sonntag)

 

19.00: Sandhya Arati
19.15: Tulasi Parikrama, anschl. Sankirtan
19.45: Vortrag, anschl. Prasadam